Auch die Fluglehrerin Ewa konnte trotz ihrer großen Erfahrung nicht sehen, wie schnell sich dieser CB entwickelte. In GLEITSCHIRM 4/2003 hat der Wetterspezialist Hubert Aupetit in seinem Artikel zum "Kochtopfmodell" deutlich gemacht, warum die genaue Lage von Thermikquellen oft nicht eindeutig auszumachen ist - und warum Gewitterwolken manchmal an völlig unerwarteten Stellen auftauchen. Sie können diesen Bericht über Kreise im Kochkessel hier im PDF-Format lesen
In GLEITSCHIRM 4/2003 haben wir außerdem bereits die Beschreibung eines überlebenden Piloten veröffentlicht, der anschaulich sein Erlebnis in einer Gewitterwolke beschrieb. Sie können diesen Bericht über seinen Horrorflug jetzt hier kostenlos im PDF-Format lesen
Ähnlich dramatisch war das jüngste Erlebnis von Ewa. Auf der Homepage des DHV schreibt sie :
"Als wir an den Schauerwolken vorbei waren und diese im sicheren Abstand hinter uns waren, sah der Weg Richtung Norden sehr gut aus. Ich hatte völlig unterschätzt, dass sich vor uns und vor allem so schnell eine CB aufbauen könnte. Dies stellte sich leider als folgenschwere Fehleinschätzung heraus.
Vom sanften „Nullschieber“ änderten sich die Steigwerte in Sekunden auf 15 - 20 m/sek. Nach drei Versuchen runter zu spiralen gab ich auf und habe versucht aus dem unglaublichen Steigen raus zu kommen. Doch dieses hörte nicht auf und schleuderte mich in kürzester Zeit bis auf knapp 10.000 m. Dabei verlor ich das Bewusstsein. Als ich wieder zu mir kam befand ich mich immer noch auf 6.900 m. Dabei stellte ich fest, dass mein Gleitschirm immer noch am fliegen ist. Es dauerte noch einige Zeit, bis ich auf 5.000 m realisierte, dass ich nicht mehr steige. Also entschloss ich mich noch mal zu versuchen ab zu spiralen. Mit moderaten Sinkwerten gelang es mir in einem Zug weit unter die Wolkenbasis runter zu kommen. Nach der Ausleitung auf etwa 1.500 m schaute ich nach einer Spur von Zivilisation. Und ich fand eine Farm, die ich mit Rückenwind fast erreicht habe. 500 m vorher drehte ich nur vorsichtig gegen den Wind und landete sanft vor dem Zaun. Zum Glück hatte ich Handyempfang und konnte Stefan meine Koordinaten durchgeben. Nach kurzer Zeit Waren meine Retter bei mir.
Wir fuhren direkt ins Krankenhaus, doch die Untersuchung ergab normale Sauerstoffwerte. Ich erlitt nur Erfrierungen an den Ohren und am Unterschenkel, wo der Hagel die exponierte Stelle verletzte. Ich konnte aber gleich wieder Heim fahren und gehe nur noch zur täglichen Visite. Nach Meinung des Arztes, macht der Heilungsprozess sehr gute Vorschritte und ich kann realistisch mit der Teilname an der WM rechnen. "
Foto : Gewitterwolke in den USA, Mike Hollingshead, aus GLEITSCHIRM 1/2007